Im Klangrausch: Phoenix Foundation feat. Steve Fidyk, USA

Von Michael Sudheimer

Jazz in höchster Dosierung gab es mit der Phoenix Foundation in den vergangenen Tagen in der Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz in Neuwied/Engers. In den „Bruträumen“ dieser Jugend-Jazz-Herberge gehen die Musikerinnen und Musiker des LandesJugendJazzOrchesters Rheinland-Pfalz jeweils im Mai und November für mehrere Tage ihrer Leidenschaft für neue Arrangements und Jazzimprovisationen nach. Diesmal mit der bisher unerreichten Zahl von 54 Musikerinnen und Musikern in drei verschiedenen Besetzungen.

Der Landesmusikrat als Träger des Projektes dürfte zufrieden sein, denn da wo die Phoenix Foundation ist, da ist VORNE. Die Stommel-Stiftung hat dieses rheinland-pfälzische Jazz-Juwel in Sachen Jugendförderung für die Region entdeckt und beschert mit den Konzerten der Phoenix Foundation seit einigen Jahren den Zuschauern im Koblenzer Raum Glücksgefühle in Sachen Jazz oder genauer gesagt Bigband-Jazz! So auch wieder am 19. November 2017.

Den Anfang des sonntagabendlichen Klangrausches bereitet die Phoenix-Junior-Besetzung mit dynamisch-groovigem Spiel im Tutti und bei den Solos, u.a. Paul Scheugenpflug am Altsaxofon und Marco Weller am Piano. Die Neueinsteiger unter Christoph Mudrich zeigen deutlich, dass bei dem Wort JAZZ alle Buchstaben groß geschrieben werden!

Weiter geht es im zweiten Teil mit der Phoenix Foundation unter der Leitung von US-Schlagzeuger und Bigband-Spezialist Steve Fidyk. 2014 stand er zum ersten Mal vor der Phoenix Foundation. Der Funke war damals sofort übergesprungen und der sympathische Amerikaner ist seitdem mit dem Jazzorchester eng verbunden. Neben seiner Mitwirkung auf der aktuellen CD und an bei den Herbst-Probetagen konnte er für weitere Projekte im nächsten Jahr gewonnen werden.

Die jungen Musikerinnen und Musiker bewältigen ein höchst anspruchsvolles virtuoses Bigband-Programm mit Musik aus dem Bandbook von Buddy Rich („Mercy, Mercy, Mercy“ und „Norwegian Wood) oder zwei Arrangements aus dem „Whiplash“-Film („Whiplash“ und „Caravan“). Herausragende Solisten sind Micha Jeske am Schlagzeug, Benedikt Jäckle am Tenorsaxophon, Carl Krämer am Altsaxophon und David Eberle an der Gitarre. Die Schwingungen zwischen Dirigent und Musikern stimmen: unterhaltsam, humorvoll, abwechslungsreich und mit lässigem amerikanischen Understatement gepaart, mit höchster Musikalität und Präzision. Sinnbildlich stehen dafür die Szenen, in denen Steve Fidyk dem Gitarristen David Eberle bei seinem Solo das Taschentuch aus dem Revers zieht und ihm damit die Stirn abtupft oder als Posaunist Lars Schuster vor dem Solo seinem „Chef“ einen Hut aufsetzt. Es macht einfach Freude, dieses entspannte Miteinander zu beobachten und dabei die Musik zu hören.

Nach der Pause ist die Phoenix-Power noch lange nicht erschöpft, die Band legt im dritten Teil mit der Präsentation ihrer neuen CD noch einen drauf. Nach der Kompilations-CD von 2003 „Ein Freund, ein guter Freund“ gibt es jetzt endlich Phoenix & Friends Vol. 2. Auszüge aus der CD – diesmal mit Steve Fidyk am Schlagzeug – präsentiert die CD-Besetzung unter der Leitung von Frank Reichert, dem kreativen Kopf, CD-Produzent und Gesamtleiter der Phoenix Foundation. Dank seinem Netzwerk kann das Orchester die Mitwirkung von Musikern wie Steve Fidyk und Christoph Mudrich gewinnen. Sein „Händchen“ für das Phoenix-Projekt zeigt Reichert immer wieder bei der Wahl seiner Gastmusiker und bei der Titelwahl der unbedingt hörenswerten aktuellen CD, die von den Grammy-Gewinnern Bob Dawson (Washington) und Klaus Genuit (Bonn) vor Ort in ihren Studios eingespielt wurden. Hier stimmen Mischung, Musik und die persönliche Atmosphäre, die auch bei der Live-Präsentation der Titel im Saal sofort zu spüren ist. Reif und ausdrucksstark das Zusammenspiel, präzise, perfekt. Von einigen der jungen Musiker werden wir in Zukunft sicher noch hören. Der US-Gast beherrscht sein Instrument: in einem unbegleiteten Solo zu Beginn von „Moment’s Notice“ demonstriert Fidyk seinen Reichtum an dynamischen Abstufungen, um dann im eigentlichen Arrangement mit seinen Fills und Vorbereitungen der Bläsereinsätze zu explodieren. Zu Recht gilt Fidyk als ein Meister des Bigband-Schlagzeugs. Das Publikum ist überwältigt, ebenso wie die Musiker auf der Bühne, die hinterher von der Zusammenarbeit mit dem US-Gast schwärmen, haben sie doch angesichts der Entwicklung durch seine Motivation in wenigen Tagen wieder einen Treppe nach oben steigen können. Diese Band hat das Herz auf dem rechten Fleck, acht Ehemalige, die bei der CD mitgewirkt haben, sind eigens für die Präsentation noch einmal von Weit angereist. Ob Osnabrück, Düsseldorf, Wiesbaden, Würzburg, Karlsruhe oder gar Spanien – kein Weg war ihnen zu weit. Spürbares Glücksgefühl und reife Musikalität strömen von der Bühne.

Das Publikum dankt es den mitwirkenden Bands, dem Dozententeam hinter der Bühne, dem Gast aus Amerika und dem Gesamtleiter – der im dritten Set auch am Dirigentenpult die Fäden in der Hand hält – am Ende mit „Standing Ovations“, die nach gefühlten Minuten nur durch Reicherts lakonischen Kommentar „Eigentlich wollten wir jetzt mal ein Bier trinken gehen“, unterbrochen werden konnten. Es folgt ein unerwarteter Schwenk, die wandlungsfähige Band taucht in ein komplett anderes Klangszenario und beendet den Abend mit einer einfühlsamen Zugabe: „El Abrazo“, zu Deutsch „Umarmung“ von Alan Baylok.

Der Titel, der das Konzert mit einer anmutigen Schluss-Sequenz musikalisch ausblendet, entlässt Band und Publikum mit dem Gefühl, in der Musik „eins“ geworden zu sein. Ein wunderbarer Abend und ein tolles Klangerlebnis.

Bleibt zum Schluss nur noch der Wunsch die Band bald wieder zu erleben und dass die nächste CD nicht so lange auf sich warten lässt.

Fotos von Michael Sudheimer und Frank Reichert



„Phoenix Junior“ mit Christoph Mudrich


„Phoenix Foundation“ mit Steve Fidyk

„Phoenix Foundation“ mit Lars Schuster, Posaune

„Phoenix Foundation“ mit Lars Schuster, Posaune


„Phoenix CD-Besetzung“ mit Frank Reichert und Steve Fidyk

Probe mit Steve Fidyk

Satzproben Phoenix Junior mit Ralph Himmler

Satzproben Phoenix Junior mit Joe Wulf

Satzproben Phoenix Junior mit Sven Hack

Satzproben Phoenix Foundation mit Felix Fromm

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